Der psychosoziale Schwerpunkt: psychologisch – sozial – praxisorientiert

Das Angebot im Oberstufenrealzweig des Klemens Maria Hofbauer Gymnasiums ist einzigartig in der nationalen Bildungslandschaft und zeichnet sich neben Schwerpunkten in Mathematik, Naturwissenschaften und in wirtschaftskundlichen Grundlagen vor allem auch durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit psycho-sozialen Fragestellungen aus.

Zu diesem Zweck wurde – neben dem einschlägigen Fach Psychologie/Philosophie in der siebenten und achten Klasse – schulautonom ein ganz neuer Gegenstand geschaffen: Psychosoziale Grundlagen, kurz PSG. Der Gegenstand beginnt bereits in der fünften Klasse, wird bis in die achte Klasse jeweils zweistündig angeboten und ist aus diesem Grund auch maturabel. Von den Schülerinnen und Schülern wird als Eingangsvoraussetzung ein gerüttelt Maß an persönlichen und sozialen Kompetenzen erwartet, welche durch ein Aufnahme-/Eignungsverfahren (schriftlich und mündlich) auch überprüft bzw. sichergestellt werden. Dazu kommt, dass auch leistungsstarke Schülerinnen und Schüler angezogen werden sollen; das wird insofern gewährleistet, als der Notendurchschnitt auf der achten Schulstufe höchstens 2,5 betragen und das Zeugnis kein Nicht genügend aufweisen darf. Auch die Verhaltensnoten aus den ersten drei Unterstufenjahren dürfen 1,67 nicht überschreiten.

Ziel dieses Gegenstandes ist eine intensive Auseinandersetzung mit psychologischen, soziologischen, (sonder-)pädagogischen und auch sozialen Inhalten, um gegebenenfalls in weiterer Folge ein einschlägiges Studium beginnen bzw. in entsprechenden Berufsfeldern Fuß fassen zu können.

Vom Lehrplan her sind auszugsweise folgende Themenbereiche vorgesehen: Förderung der Selbst- und Sozialkompetenz, Grundlagen der Interaktion und Kommunikation, Psychologie und Soziologie der verschiedenen Lebensalter, Behinderung im Lebensvollzug, Umgang mit psychischen Störungen, Gewalt und Aggression, Phänomen des abweichenden und devianten Verhaltens und Therapiemöglichkeiten, Erziehung, Bildung und Förderung in unterschiedlichen (sozial-) pädagogischen Einrichtungen, soziale Dienste, Krisenmanagement, Ethik der Humanwissenschaften und der helfenden Berufe, Gesellschaft und Bildung, wissenschaftliches Arbeiten.

Ein Kernelement der Ausbildung ist auch die praktische Umsetzung des theoretisch erworbenen Wissens: In der sechsten und siebenten Klasse ein pflichtig zu absolvierendes Praktikum (je 80 Stunden) in diversen einschlägigen Einrichtungen, wie z.B. in Kindergärten, Volks- und Sonderschulen, Horten, Alters- bzw. Pflegeheimen, Kliniken, Jugendzentren, bei der Jugendwohlfahrt usw. Es geht hierbei darum, durch praktische Erfahrungen am Menschen verschiedene Berufsfelder und -bilder im psycho-sozialen Bereich kennen zu lernen. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Übernahme sozialer Verantwortung. Gerade in einer katholischen Privatschule muss dies ein unverzichtbarer Bestandteil des Bildungsprozesses sein. Über dieses Praktikum ist – neben dem Führen eines Projekttagebuchs – auch eine nach wissenschaftlichen Grundsätzen erstellte Projektarbeit zu verfassen und zu präsentierten. Gerade dieser Anspruch soll auch auf eine mögliche akademische Ausbildung bzw. Karriere vorbereiten.

Methodisch konzentriert sich der Unterricht in PSG neben der notwendigen Vermittlung des Fachwissens auf eine stark schülerzentrierte und -aktivierende Vorgangsweise. Ein besonderes Anliegen ist die persönliche und soziale Formung der Schülerinnen und Schüler. Das wird z.B. durch verschiedene Angebote zur Selbsterfahrung oder aber auch durch ein ständiges Trainieren der Reflexionskompetenz angestrebt. Insbesondere im ersten Jahrgang wird an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung und an der Gruppendynamik gearbeitet. Verschiedene soziale Spiele und Aktivitäten, wie z.B. Blind Walking (siehe Abb.1) sollen einerseits (persönliche) Grenzerfahrungen ermöglichen, andererseits aber auch gegenseitiges Vertrauen aufbauen.

Im Laufe der vier Jahre wird immer wieder projektorientiert unterrichtet, um einerseits Eigenverantwortung und Selbsttätigkeit anzuregen und andererseits den Transfer Theorie-Praxis zu gewährleisten. Dabei kommt auch das soziale Engagement nicht zu kurz. Ein Beispiel dafür ist etwa die Beteiligung am internationalen Projekt „Weihnachten im Schuhkarton“ in der Vorweihnachtszeit. Schülerinnen und Schüler befüllen dafür in sehr engagierter und zeitaufwändiger Weise Schuhkartons mit diversen Geschenken, um sie in weiterer Folge bedürftigen Kindern in verschiedenen Ländern zu übermitteln (siehe Abbildung 2).

Ein Kernelement des Unterrichts stellen auch Exkursionen in einschlägige Einrichtungen dar. Beispielhaft soll dafür der Besuch des „Dialog im Dunkeln“ oder der „Gruft“ (Sozialeinrichtung der Caritas) genannt sein. Für die achten Klassen sind nun auch Besuche in Strafvollzugsanstalten geplant. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler zunächst im Unterricht projektartig vorbereitet und nach dem Besuch der Einrichtung, der auch entsprechend dokumentiert wird, erfolgt ein reflexives Debriefing.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Gegenstand von den Schülerinnen und Schülern sehr positiv angenommen wird und für nicht wenige auch ein Entscheidungskriterium für die Wahl des ORG-Zweigs war. Ständige Evaluation der Bildungsinhalte und der Methodik ermöglicht auch eine stetige Weiterentwicklung des Faches. Insgesamt kann gesagt werden, dass sich der Gegenstand bislang sehr bewährt hat und dem ORG-Zweig eine unverwechselbare Identität und (zumindest in Österreich) ein einzigartiges Gesicht verleiht.

 

Abb. 1 und 2.: Verschiedene praktische Aktivitäten im PSG-Unterricht

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